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Den ökologischen Ansprüchen und der besonderen geologischen und städtebaulichen Situation der Tuttlinger Donau wird mit dem winterlichen Absenken (die Donau kann fließen) und dem sommerlichen Aufstau (die Donau behält in den Versickerungszeiten ihr Wasser) in besonderer Weise und ausreichend Rechnung getragen!

DOWNLOAD: Monitoring-Bericht zum Wehrmanagement - Dr. Karl Wurm

Bild 1 „Unsere aufgestaute Donau“, Bild 2 „Absenkung um ca. 1 Meter“

  • WARUM AKTIV WERDEN
      Die Stadt Tuttlingen engagiert sich seit über 25 Jahren beim ökologischen Umbau ihrer Flüsse und Bäche. So wurden beispielsweise der Krähenbach, große Abschnitte der Donau oder der Riedgraben erfolgreich renaturiert. Mit Zustimmung der Stadt wurden zwei der drei Wehranlagen auf Tuttlinger Gemarkung im Sinne der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie WRRL bereits zurück gebaut. Die Wehranlage der Groß Bruck, die als Gesamtanlage unter Denkmalschutz steht, prägt Tuttlingen seit hunderten von Jahren. Eine dauerhafte sommerliche Absenkung der Donau in diesem Bereich würde das Stadtbild, die Erlebbarkeit der Donau und die durch den Donaupark seit 2003 neu gewonnene innerstädtische Naherholungsqualität spürbar verschlechtern. Bauliche und vegetationstechnische Schäden sind die Folge. Allein 4 – 5 Millionen € müssten für den erforderlichen Umbau beider Uferseiten und des Donauparks investiert werden.

      Anlässlich der Wasserrahmenrichtlinie wurde deshalb gemeinsam mit dem Regierungspräsidium Freiburg und dem Landkreis überlegt, wie man bei der innerstädtischen Donau die Wasserqualität auch ohne einen ganzjährigen Abstau verbessern könnte. Seit mittlerweile sechs Jahren wird deshalb ein aktives Wehrmanagement betrieben. Hierzu wird das Wehr im Winterhalbjahr für ca. 4-5 Monate komplett abgesenkt, die Donau kann in dieser Zeit ungehindert fließen. In heißen Sommermonaten wird dies durch ein- bis zweimalige kurze Spülungen zur weiteren Verbesserung der Wasserqualität ergänzt. Durch die Absenkung in der vegetationsarmen Zeit konnten keine wesentlichen Schäden der am Ufer befindlichen Bäume festgestellt werden. Bei einer dauerhaften Absenkung im Sommerhalbjahr würden jedoch die unmittelbar am Ufer stehenden Bäume absterben, sowie Bäume bis in den Donaupark hinein und an der Lindenallee der Weimarstraße dauerhaft geschädigt werden.

      Anhand von mehrjährigen Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass sich durch das Wehrmanagement die Wasserqualität der innerstädtischen Donau wesentlich verbessert hat und mittlerweile selbst in gewässerkritischen trockenen Jahren die Kriterien der Wasserrahmenrichtlinie nahezu überall erfüllt werden. Mit einer seit 25 Jahren geforderten Renaturierung des hart ausgebauten „Schlauches“ könnte die dortige Wasserqualität auch ohne sommerliche Absenkung weiter verbessert werden. Die Fischfauna konnte sich durch das Wehrmanagement deutlich erholen und erfüllt ebenfalls die Kriterien der WRRL. Lediglich beim so genannten Makrozoobenthos sind hinsichtlich der Durchwanderbarkeit noch Optimierungen möglich. Wer die besondere geologische Situation Tuttlingens kennt, weiß jedoch auch, dass die vom Landratsamt und Regierungspräsidium geforderte sommerliche Absenkung um einen Meter dem Makrozoobenthos nur eine Galgenfrist ermöglichen würde. Wenige Kilometer Flussaufwärts gibt es angesichts der sommerlichen Donauversickerung endgültig kein Weiterkommen mehr.
  • TUTTLINGER DONAU ALS SONDERFALL
      Tuttlingen und seine Donau ist auch wegen dieser Besonderheit seiner Donauversickerung als Sonderfall zu betrachten.

      Die Unterstützer dieser Initiative begrüßen das Wehrmanagement mit seiner winterlichen Absenkung als guten, stadträumlich und ökologisch nachhaltigen Kompromiss. Die sehr wenigen zusätzlichen Vorteile der, vom RP und Landratsamt geforderten Sommerabsenkung stehen jedoch in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zu den zu erwartenden vielfältigen Nachteilen.
  • WARUM IST DIE DONAUABSENKUNG ZWEIFELHAFT
      Die sommerliche Donauabsenkung stellt einen großen Eingriff in die Natur dar. Die Bäume an beiden Ufern, im Park und an der Weimarstraße sind massiv bedroht. Auch bei der diskutierten, 5-10 jährigen langsamen Absenkung müssen alle Uferbäume gefällt werden. Dies führt auch zu negativen Effekten beim Stadtklima. Der Donaupark und das südliche Ufer müssen komplett neu gestaltet werden. Das bisherige Erscheinungsbild wird zerstört.

      Wirtschaftlich bedeutet die Absenkung des Wehrs eine millionenschwere Belastung für die Stadt Tuttlingen. Die erforderliche Neugestaltung des Donauufers beläuft sich auf mindestens 4 bis 5 Millionen Euro. Geld, das der Stadt fehlt und anderweitig besser angelegt werden kann. Unberücksichtigt sind Regressforderungen, falls die Bausubstanz der Innenstadt durch die Absenkung des Grundwasserspiegels leidet.

      Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie fordert für die Tuttlinger Donau ein „Gutes ökologisches Potential“. Dieses wird mit dem Wehrmanagement und einer Vielzahl weiterer, überwiegend bereits umgesetzter Einzelmaßnahmen erreicht. Die WRRL fordert keine 100%-Lösung.
  • WARUM WOLLEN WIR KEINE ABGESENKTE DONAU IM SOMMER?
      Unter städtebaulichen Gesichtspunkten wird in das Bild der Stadt Tuttlingen massiv eingegriffen. Das Stadtbild wird seit Jahrhunderten durch eine denkmalgeschützte Brücke mit Wehranlage und der aufgestauten Donau mit zwei unterschiedlichen Wasserlagen geprägt.

      Honberg und Donaupark besitzen für Einheimische und Gäste einen hohen Wiedererkennungswert. Eine sommerliche Absenkung der Donau nimmt der Stadt und dem Donaupark ihre Identität. Vor dem Hintergrund, Tuttlingen für seine Bewohner, touristisch und auch für neue Arbeitskräfte interessant zu machen, brauchen wir diesen städtebaulichen Treffpunkt „Donaupark mit einer Donau auf Augenhöhe“.

      Die Donau hat sich zu einem innerstädtischen Naherholungs- und Freizeitangebot entwickelt. Die Kombination aus einer größeren Wasserfläche mit nutzbaren Freizeitmöglichkeiten im Donaupark, wird intensiv als Naherholungsgebiet genutzt. Sportveranstaltungen sind teilweise nur in der aufgestauten Donau möglich, andere gewinnen an Ausstrahlung. Rettungsorganisationen und Vereine nutzen die aufgestaute Donau als Übungsraum. Die jetzige Donau ist ein Erfolgsmodell für abgestimmte Raumplanung.

      Mit dem Wehrmanagement liegt ein guter Kompromiss vor der den Kriterien der WRRL in weiten Teilen Rechnung trägt. Mit einer Optimierung der Fischtreppe und einer Uferrenaturierung im „Schlauch“ könnten die wenigen, noch optimierbaren Aspekte zusätzlich verbessert werden.

      Der besonderen geologischen Situation der Tuttlinger Donau wird mit dem winterlichen Absenken – die Donau kann fließen – und dem sommerlichen Aufstau – die Donau behält in Zeiten der Versickerung ihr Wasser – in besonderer Weise und für viele Aspekte positiv Rechnung getragen!

      Eine weitergehende sommerliche Absenkung der Donau um einen Meter wird angesichts der vielen Nachteile für Tuttlingen und seine Menschen abgelehnt.

      Es kann nicht sein, dass trotz bereits erzielter deutlicher Verbesserungen an der Donau, zur geringfügigen weiteren Optimierung eines Umweltaspektes eine Vielzahl von stadträumlichen, ökonomischen und ökologischen Aspekten geopfert werden. Die europäische Gesetzgebung sollte mit den Menschen und nicht gegen sie umgesetzt werden.